Wintergemüse anbauen: Was wir uns für die leeren Beete im Kleingarten vorgenommen haben
Bohnen und Erbsen sind durch.
Mitte August haben wir die Beete mit Bohnen, Erbsen und Zuckerschoten leer geräumt, und viel bleibt gerade nicht übrig, was noch geerntet werden kann. Kürbis, Porree und Kartoffeln stehen noch im Beet, der Brokkoli kommt auch noch. Aber danach wird es leer im Garten – zumindest, wenn wir nichts nachpflanzen. Wir nutzen den Kleingarten meines Schwiegervaters jetzt im zweiten Jahr mit – das heißt, es ist auch erst unser zweiter Winter dort. Letztes Jahr haben wir uns um diese Jahreszeit noch keine Gedanken gemacht, was danach kommt und die Beete lagen bis zum Frühjahr einfach brach. Dieses Mal wollten wir das ändern: Was machen wir mit den Beeten bis zum Frühjahr?
Wintergemüse anbauen heißt nicht, dass man im Winter draußen im Schnee erntet – wobei das bei manchen Sorten tatsächlich geht. Es heißt vor allem, dass die zweite Jahreshälfte nicht ungenutzt bleibt. Wer im Spätsommer noch einmal pflanzt, hat bis weit in den Herbst und teils bis in den Winter hinein etwas Frisches aus dem Beet, statt schon im September alles winterfest zu machen.
Warum wir uns überhaupt mit Wintergemüse beschäftigt haben
Die letzten beiden Jahre haben wir Kartoffeln, Lauch, Bohnen, Zwiebeln, Kohlrabi, Brokkoli, Rosenkohl, Salat, Möhren, Erbsen, Zuckerschoten und Kürbis angebaut – ein bunter Mix, wie er in einem klassischen Schrebergarten wohl in fast jeder zweiten Parzelle steht. Vieles davon ist richtig gut gelaufen und wandert nächstes Jahr wieder ins Beet. Nur bei den Möhren mussten wir ehrlich zu uns sein: Die Ernte war in beiden Jahren spürbar mau. Ob es an der Bodenbeschaffenheit lag, an zu dicht gesäten Reihen oder schlicht an unserer Anfängerunerfahrenheit – wir wissen es bis heute nicht genau. Nicht alles klappt sofort, das gehört für mich aber zum Gärtnern dazu.
Größere Sorgen haben uns Kohlrabi und Salat bereitet. Die Schnecken hatten es beide Jahre auf genau diese beiden Gemüse abgesehen und obwohl wir zwischendurch immer wieder abgesammelt haben, sahen die Blätter am Ende oft aus wie Spitze – durchlöchert und angeknabbert. Wir überlegen deshalb ernsthaft, für diese beiden Kulturen ein Hochbeet zu bauen, weil die erhöhte Lage und ein sauberer Rand es den Schnecken zumindest schwerer machen sollen. Ein fertiger Plan ist das noch nicht, eher ein Vorhaben für das kommende Frühjahr.
Zurück zur Ausgangsfrage: Was kommt jetzt noch ins Beet? Also habe ich mich auf die Suche gemacht: Was kann man im Winter überhaupt ernten und wie baut man das an?
Was ich bei der Recherche gelernt habe
Wintergemüse wächst kaum im Winter selbst. Die eigentliche Wachstumsphase liegt bei fast allen Sorten im Spätsommer und Herbst, wenn noch genug Licht und Wärme da sind. Sobald die Tage kürzer werden und der erste Frost kommt, verlangsamen viele Pflanzen ihr Wachstum stark oder stellen es fast ein – sie stehen dann quasi auf Vorrat im Beet und können nach und nach geerntet werden, statt alles auf einmal reif zu haben.
Als frosthart gelten laut mehreren Gartenquellen vor allem Kohlarten wie Grünkohl (Brassica oleracea var. sabellica), Rosenkohl (Brassica oleracea var. gemmifera), Rotkohl und Wirsing, dazu Wurzelgemüse wie Möhren, Pastinaken, Rote Bete und Sellerie sowie Porree und Kohlrabi. Auch Kürbis wird noch bis in den Spätherbst geerntet, bevor der erste Frost kommt. Das war für uns beruhigend zu lesen, denn Porree, Kohlrabi und Kürbis bauen wir ohnehin schon an, wir müssen also gar nicht bei null anfangen, sondern nur ergänzen.
Beim Timing gibt es Unterschiede: Schnell wachsende Kulturen brauchen nur rund sechs bis acht Wochen bis zur Ernte und können deshalb noch relativ spät gesät werden. Grünkohl und Kohlrabi brauchen eher acht bis zehn Wochen. Langsame Kulturen wie Rosenkohl oder Rote Bete sollten schon rund drei bis dreieinhalb Monate vor dem ersten Frost im Beet stehen. Wer wie wir Mitte August anfängt zu planen, sollte also vor allem bei den schnell und mittelschnell wachsenden Sorten zugreifen, wenn er in diesem Jahr noch etwas ernten möchte.
💡 Tipp: Wenn im Spätsommer ein Beet frei wird – bei uns waren es die abgeernteten Erbsen- und Zuckerschotenreihen – lohnt es sich, gleich zu überlegen, was noch reinpasst, statt das Beet erst im Herbst zu mulchen. Jede Woche zählt beim Wintergemüse-Anbau, weil die Wachstumsphase im Herbst so kurz ist.
Und ein dritter Punkt: Wintergemüse ist im Vergleich zu Sommergemüse recht anspruchslos, was Boden und Düngung angeht. Weil die Pflanzen langsamer wachsen, brauchen sie auch weniger Nährstoffe – ein Beet, das im Sommer schon Gemüse getragen hat, reicht meist völlig aus, eine zusätzliche Kompostgabe genügt in der Regel.
📌 Pflanzensteckbrief: Grünkohl (Brassica oleracea var. sabellica)
Standort: sonnig bis halbschattig, windgeschützt
Boden: nährstoffreich, humos, gut durchlässig
Pflege: regelmäßig gießen bis zum Anwachsen, danach anspruchslos; profitiert vom ersten Frost, weil sich dann die Bitterstoffe abbauen
Pflanzzeit: Aussaat ab Mai, Auspflanzen der Jungpflanzen etwa ab Juli/August
Besonderheit: gilt als eine der frosthärtesten Kohlsorten überhaupt und lässt sich teils bis in den Januar hinein ernten
Wir haben uns für Grünkohl entschieden, weil er zu unserem bisherigen Anbau passt – Rosenkohl kennen wir ja schon, und Grünkohl ist mit ihm verwandt, gilt aber als noch unempfindlicher gegen Kälte.
Was uns bei der Planung hilft
Das Beet für den Grünkohl wird dort sein, wo vorher unsere Erbsen standen – ein einfacher Fruchtwechsel, ohne dass wir extra neue Fläche schaffen müssen. Wichtig ist uns, das Beet vorher nicht komplett kahl zu räumen: nur das abgeerntete Gemüse entfernen, die Erde grob auflockern und eine dünne Schicht Kompost einarbeiten, statt alles neu umzugraben.
Nach den Erfahrungen mit Kohlrabi und Salat ist uns Schneckenschutz von Anfang an wichtig, statt erst zu reagieren, wenn die Blätter schon durchlöchert sind. Für den Grünkohl wollen wir direkt beim Pflanzen Schneckenkragen um die jungen Pflanzen legen. Ob das reicht, wird sich zeigen – bei Kohlrabi hatten wir im Sommer auch schon einiges probiert und es hat nicht wirklich funktioniert. Genau deshalb bleibt das Hochbeet für nächstes Jahr für uns weiter ein Thema, gerade für die besonders schneckenanfälligen Kulturen.
Und dann noch die erste Zeit nach dem Pflanzen: Direkt nachdem der Grünkohl im Beet steht, wollen wir kurz ein leichtes Gartenvlies darüberlegen – nicht wegen des Frosts, den verträgt Grünkohl später gut, sondern um die frischen Jungpflanzen vor Wind und größeren Temperatursprüngen zu schützen, bis sie richtig angewachsen sind. Danach kommt das Vlies wieder runter, denn Grünkohl darf ruhig Frost abbekommen.
Was wir dieses Mal anders machen
Zur Auswahl stand für uns auch Feldsalat, aber wir haben uns dagegen entschieden, der wäre schnecken-technisch wohl dasselbe Problem wie unser Salat im Sommer und genau das wollen wir uns dieses Mal sparen. Stattdessen haben wir die Grünkohl-Jungpflanzen bereits besorgt. Für nächstes Jahr wollen wir zusätzlich Rotkohl anbauen, dann stehen Rotkohl und Grünkohl gemeinsam im Beet.
Am Möhren-Problem wollen wir außerdem dranbleiben – auch wenn Möhren streng genommen kein klassisches Wintergemüse sind, ärgert uns die schwache Ernte beider Jahre zu sehr, um es einfach hinzunehmen. Fürs kommende Frühjahr wollen wir uns genauer ansehen, ob es an der Aussaattiefe, am Reihenabstand oder am eher schweren Gartenboden liegt.
🗓️ Wann was tun
Mitte/Ende August: Grünkohl-Jungpflanzen setzen, direkt danach kurz Vlies auflegen, bis sie angewachsen sind
September: Kohlrabi und Porree weiter pflegen, Winterknoblauch stecken
Oktober: Kürbis und Kartoffeln ernten, bevor der erste Frost kommt
November: Beete mulchen, Hochbeet-Idee für die Schneckenbeete weiterverfolgen
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Schneckenkragen
Nach den Erfahrungen mit Kohlrabi und Salat legen wir uns für den Grünkohl gleich Schneckenkragen zu. Beim Nachbarn im Garten haben sie sich gut bewährt, deshalb probieren wir es jetzt auch. Ehrlich gesagt: Ganz dicht sind sie nicht, wenn der Kragen nicht sauber im Boden sitzt, schafft es die ein oder andere Schnecke trotzdem drüber. Am besten wirken sie kombiniert mit regelmäßigem Absammeln von Hand.
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Gartenvlies
Direkt nach dem Pflanzen legen wir ein leichtes Gartenvlies über die jungen Grünkohlpflanzen – nicht wegen des Frosts, den verträgt Grünkohl später richtig gut, sondern um sie in der Anwachsphase vor Wind und stärkeren Temperatursprüngen zu schützen. Sobald die Pflanzen angewachsen sind, kommt das Vlies wieder runter. Ein kleiner Nachteil: Bei Sturm muss man es gut beschweren, sonst fliegt es schnell wieder vom Beet.
Jetzt ansehen →Für alle, die wie wir ohne Gewächshaus auskommen, kann sich außerdem ein Frühbeetaufsatz für ein vorhandenes Hochbeet lohnen, damit lässt sich die Saison für Kulturen wie Brokkoli oder Kohlrabi noch etwas verlängern, ohne dass man gleich in ein ganzes Gewächshaus investieren muss. Wir haben uns das für unser geplantes Hochbeet-Projekt im nächsten Frühjahr notiert, konkret umgesetzt haben wir es aber noch nicht.
Und wenn der Grünkohl im Winter dann tatsächlich erntereif ist, zeige ich euch in einem eigenen Artikel, was bei uns daraus in der Küche wird – ein Grünkohlrezept aus dem eigenen Garten kommt also noch, sobald wir so weit sind.
Häufige Fragen zum Wintergemüse-Anbau
Wo fange ich als Anfängerin oder Anfänger am besten an?
Wenn du zum ersten Mal Wintergemüse anbauen möchtest, würde ich dir raten, klein anzufangen und nicht gleich das ganze Beet umzukrempeln. Such dir ein Beet, das im Spätsommer ohnehin frei wird, und pflanze dort ein oder zwei unkomplizierte Sorten hinein, statt gleich mehrere Kulturen auf einmal auszuprobieren. Wichtig ist vor allem das Timing: Schau dir vorher an, wie viele Wochen deine gewählte Sorte bis zur Ernte braucht und rechne vom ersten erwarteten Frost in deiner Region rückwärts. So vermeidest du unseren Fehler, erst Mitte August über den Winter nachzudenken. Diese Art von Garten Tipps Anfänger klingt banal, spart aber wirklich viel Frust. Und ganz ehrlich: Auch wenn nicht alles auf Anhieb klappt, ist schon eine kleine Ernte ein schönes Erfolgserlebnis.
Welche Wintergemüse eignen sich besonders für Anfänger?
Nach allem, was ich recherchiert habe, gelten vor allem Grünkohl, Kohlrabi, Porree und Rosenkohl als robust und vergleichsweise einsteigerfreundlich. Auch Kürbis wird noch bis in den Spätherbst geerntet, bevor der erste Frost kommt. Schwieriger wird es bei Sorten mit sehr langer Wachstumszeit, wie Rosenkohl oder Pastinaken, weil dort schon eine zu spät gesäte Woche über die Ernte entscheiden kann. Diese Garten Tipps Anfänger gelten übrigens unabhängig davon, ob du einen klassischen Kleingarten, ein Hochbeet oder nur ein paar große Kübel auf dem Balkon hast. Am Ende zählt vor allem, dass du überhaupt anfängst und aus den ersten Beeten lernst, wie es bei uns mit den Möhren der Fall war.
Was mache ich, wenn eine Pflanze von Schnecken angefressen wird oder eingeht?
Bei uns war das im Sommer bei Kohlrabi und Salat leider fast schon Standard. Wichtig ist erst einmal, ruhig zu bleiben – ein paar angeknabberte Blätter bedeuten meist noch nicht, dass die ganze Pflanze verloren ist. Wir sammeln Schnecken regelmäßig von Hand ab, vor allem abends und nach Regen, wenn sie besonders aktiv sind und werden zusätzlich Schneckenkragen um die jungen Pflanzen legen (oder es kommt das Hochbeet). Geht eine Pflanze trotzdem komplett ein, lohnt es sich, direkt nachzupflanzen, solange die Saison es noch zulässt, statt die Lücke einfach leer zu lassen. Für besonders anfällige Kulturen überlegen wir inzwischen, wie erwähnt, ein Hochbeet zu bauen, weil die erhöhte Lage vielen Schnecken den Zugang erschwert. Ganz ausschließen lässt sich das Problem dadurch aber vermutlich nie.
Muss ich Wintergemüse zwingend vor Frost schützen?
Das kommt stark auf die Sorte an. Grünkohl und Rosenkohl gelten als sehr frosthart und werden nach den ersten leichten Frösten sogar milder im Geschmack, weil sich Bitterstoffe abbauen. Auch Möhren schmecken nach dem ersten Frost oft süßer. Empfindlichere Kulturen profitieren dagegen von einem leichten Vlies, das vor Wind und starken Temperaturschwankungen schützt, auch wenn es keinen kompletten Kälteschutz bietet. Bei uns kommt das Vlies erst zum Einsatz, sobald die Nächte wirklich kalt werden, nicht schon bei den ersten kühlen Herbsttagen. Wer ein Hochbeet oder Kübel bepflanzt hat, kann zusätzlich mit einer Mulchschicht oder einer isolierenden Abdeckung wie Kokosmatten arbeiten. Am Ende hilft es, sich vor der Pflanzung kurz zu informieren, wie frosthart die jeweilige Sorte tatsächlich ist.
Kann ich Wintergemüse auch im Hochbeet anbauen?
Ja, ein Hochbeet eignet sich sogar besonders gut für Wintergemüse, weil sich die Erde durch die erhöhte Lage besser vor Bodenfrost geschützt ist. Genau deshalb steht bei uns ein Hochbeet für Kohlrabi und Salat auch ganz oben auf der Liste für das kommende Frühjahr. Sobald aus dem Vorhaben ein Plan geworden ist, werde ich meine Erfahrungen aus erster Hand berichten.